Berchtesgadener Alpen, Bergtour

Wildamlkirchl und einsames Steinernes Meer

Das Steinerne Meer ist wohl der dramatischste Teil der Berchtesgadener Alpen und einer der außergewöhnlichsten Orte im ganzen Alpenraum. Mit weiten Teilen oberhalb von 2.000 Höhenmetern und einer sehr kleinen Tier- und Pflanzenwelt ist der Name Programm. Kaum verwunderlich also, dass das Steinerne Meer schon seit langem Bergsteiger von nah und fern anzieht. Wer jedoch gerne die absolute Stille für sich alleine hätte, ist im östlichen Steinernen Meer genau richtig. Auf dieser zweitägigen Tour besteigen wir das schwierige Wildalmkirchl (2.578m), übernachten in einer Biwakschachtel mit atemberaubenden Nachthimmel, gehen über den Brunnsulzengrat und kehren am berühmten Funtensee im Kärlingerhaus ein.

Ich bin mit dem Ziel der Watzmannüberschreitung nach Berchtesgaden gekommen, aber tatsächlich hat mich diese Tour ebenso nachhaltig beeindruckt und wird mir lange in Erinnerung bleiben. Die folgenden Impressionen sind für mich tolle Rückblicke, für Euch vielleicht Inspiration, einsamere Wege einzuschlagen. Die Strecke mit allen wichtigen Beschreibungen und Hinweisen findet Ihr hier auf alpenvereinaktiv.com. Trotzdem möchte ich auf die untenstehenden Sicherheitshinweise und darauf hinweisen, dass einige Abschnitte dieser Tour weglos gegangen und Kletterstellen bis zum II. Schwierigkeitsgrad überwunden wurden. Voraussetzungen dafür sind gute Sichtverhältnisse und alpine Erfahrung.

WICHTIG:
Bergsteigen und Wandern im Gebirge ist sehr erfüllend, aber stets mit Gefahren verbunden. Es ist zwingend erforderlich, sich vor einer Bergtour ausgiebig mit der Strecke, der Wettervorhersage, der Ausrüstung sowie der eigenen Kondition und dem eigenen Können auseinanderzusetzen. Zwar können Alpenvereinsführer, Hüttenwirte oder Tourenvorschläge wie ebendieser bei der Planung und Durchführung unterstützen, sie entbinden aber keinesfalls von der eigenen Verantwortung. Während der Tour muss auf die eigene Erschöpfung, eventuelle Wetterumschwünge sowie den Wegezustand geachtet werden. Es bleibt dennoch stets ein Restrisiko.

Blick aus einer der ersten morgendlichen Fähren über den Königssee. In der Ferne ist die Halbinsel St. Bartholomä zu erkennen. Während der fünfzigminütigen Überfahrt zur Endhaltestelle Salet bekommen die Passagiere auch das berühmte Trompetenecho vom Königssee zu hören.
Der Obersee wurde, als das Königsseetal von Gletschern geschaffen wurde, durch eine Moräne vom Hauptsee getrennt. Heute ist das Bootshaus am Obersee ein beliebtes Fotomotiv unter Instagramern, weshalb es nach den ersten paar Booten hier voll werden kann.
Entlang des Obersees wird der Weg bereits etwas schwieriger, zumindest für viele Touristen mit Flipflops. Trotzdem wird der Weg noch viel begangen.
Der kristallklare Obersee nahe der Fischunkelalm. Noch wolkenverhangen ist die Ostwand des Watzmanns.

Der Röthfall ist der höchste Wasserfall Deutschlands und insgesamt 470 Meter hoch. Links davon schraubt sich der Röthsteig den Berg hinauf.

Blick zurück auf Salet. Sichtbar sind auch die vom Borkenkäfer betroffenen Flächen. Außer in den Randbereichen des Nationalparks werden diese nicht bekämpft, da sie ein wichtiger Teil des Waldumbaus hin zu einem gesunden Bergmischwald sind.

Entlang der nordexponierten Wand gibt es einige kleine Wasserfälle und viele rutschige Stellen, was den anspruchsvollsten Aspekt des Steigs ausmacht.

Die Vegetation entspricht der feuchten Umgebung.

Lautes Rauschen und schwindelerregende Höhe markieren das obere Ende des Röthfalls.

Am oberen Ende des Röthfalls wird aus dem steilen Steig ein flacherer Pfad, der sich durch einen bewaldeten Talkessel schlängelt.
In diesem abgeschiedenen Talkessel liegt die zauberhafte Wasseralm (1.416m). Mit nur ein paar dutzend Betten ist sie deutlich ruhiger als Kärlinger- oder Ingolstädter Haus. Trotzdem wurde erst dieses Jahr ein topmodernes neues Waschhaus gebaut. Für Kuchen oder eine Suppe der perfekte Rastplatz.
Der Blick zurück auf die Wasseralm und den Pass, von welchem aus der Weg von der Götzenalm die Röth erreicht. Dieser wird häufiger begangen als der Röthsteig.
Oberhalb der Almfläche kann man sowohl Schafe als auch Gämse (auf dem rechten Schneefeld) finden.
Hier liegt auch die Waldgrenze, anstelle des Pfades im Wald führt der Weg immer häufiger über Steine und vorbei an Latschenkiefern. Glücklicherweise jedoch nicht durch enge Latschengassen.
An der Blauen Lacke (1.816m), die wohl eher Grüne Lacke heißen sollte, wird ein letztes Mal ein stehendes Gewässer passiert.
Auf und ab geht es über zerfurchtes Karstgestein.

Da Wasser Karstgestein ausspült, gibt es im Steinernen Meer keine oberflächlichen Gewässer. Kurz vor dem Steinhütterl liegt eine kleine Quelle, auf die sich jedoch nicht verlassen werden sollte.

Am Steinhütterl (1.955m) teilt sich der Weg zur Niederbrunnsulzenscharte und dem Kärlingerhaus vom Weg zur Hochbrunnsulzenscharte, dem Riemannhaus und dem Wildalmkirchl-Biwak.
Auf einer Anhöhe ist wenig später zum ersten Mal die markante Form des Wildalmkirchls (2.578m) sichtbar. Rechts davor liegt das Mitterhörnl (2.540m), am rechten Bildrand das Selbhorn, mit 2.654m höchster Berg des Steinernen Meeres.
An der Grenze nach Österreich findet sich eine ziemlich besondere Wegmarkierung. Wir vermuten, dass es sich um eine alte Fliegerbombenhülle handelt.
Die Spätsommersonne steht bereits tief, was die zerfurchte Oberfläche des Steinernen Meeres besser hervorhebt. Vorankommen in dieser Landschaft ist langsamer, als auf klassischen Bergpfaden.

Wenn sich diese Umgebung auch komplett lebensfeindlich anfühlt, gibt es an einzelnen Stellen dennoch Pflanzen, die ihr trotzen. Die Farbkleckse sind jedes Mal eine Freude.

Kurz vor dem Tagesziel der Blick in Richtung Norden. Auf der rechten Seite ist der massive Göllstock zu erkennen, dessen höchste Erhebung mit 2.522m der Hohe Göll ist. Links davon, fast im Dunst verschwunden, das Untersbergmassiv mit dem Berchtesgadener Hochthron (1.972m).
Endlich ist das Wildalmkirchl (2.578m) erreicht. Auf der linken Seite ist das Kreuz auf dem „Kirchendach“ sichtbar, rechts das Kreuz auf dem Hauptgipfel.
Sobald die letzten Sonnenstrahlen verschwinden, wird es im Biwak auf 2.457m schnell sehr kalt.
Wenn auch nur schwer auszumachen und aus ungewohnter Perspektive sind auf diesem Bild Großer Hundstod (Mitte, runder Gipfelaufbau; 2.594m) und Hochkalter (dahinter; 2.607m) zu sehen.
Der nächste Morgen sorgt für grandiose Weitsicht, in der linken Bildhälfte ist der Watzmann (weiter rechts, Süd- und Mittelspitze erkennbar, 2.712m u. 2713m) zu erkennen, rechts davon der Funtenseetauern (2.578m)
Das Wildalmkirchl markiert das Südende des Steinernen Meeres und fällt in diese Richtung senkrecht ab. In der Ferne zeigen sich die Ferner der Hohen Tauern.
Auch ein Blick in Richtung Südosten ist spektakulär.

Der Aufstieg zum Kirchdachgrat des Wildalmkirchls erfolgt unterhalb des linken Kreuzes durch diese Rinne. Die Kletterei erreicht weiter oben eine Schwierigkeit von II., sehr ausgesetzt.

Über den Schmalen Grat geht es hinüber zum Kirchenturm, von wo es nur noch ca. 30 Meter zum Gipfel sind.
Die Aussicht vom Gipfel ist genial. Während die Sonne langsam die Täler erreicht und den Morgennebel vertreibt, ist sind am Horizont Großglocknergruppe (Mitte; 3.798m) und Großvenedigergruppe (rechter Rand; 3.657m) zu erkennen.
Zurück an der tollen Biwakschachtel geht es nun mit dem Gepäck weiter in Richtung Funtensee.
Die Hochbrunnsulzenscharte ist das nächste Etappenziel. Da es hier schwer ist, Entfernungen abzuschätzen, rückt sie nur sehr langsam näher.
Immer wieder erinnern tiefe Löcher daran, dass im Steinernen Meer Vorsicht gut und Weggefährten noch besser sind.
Selbst im September liegt unterhalb der Scharte noch ein Schneefeld.
Wir kreuzen das steile Schneefeld.

Der Hochbrunnsulzen ist wichtigster Knotenpunkt im östlichen Steinernen Meer. Viele Wege laufen hier zusammen, außerdem trennt die Schwarte den Brunnsulzengrat vom Selbhorngrat.

Blick vom Brunnsulzengrat auf die Schönfeldspitze (2.653m). Aus Richtung Norden ein schmales Horn, zeigt sich von Osten eine breite, steile Wand.

Das Tote Weib (2.089m) markiert das zweite Überschreiten der Deutsch-Österreichischen Grenze und den Beginn des Abstiegs zum Funtensee.

Immer wieder zeigen sich glaziale Spuren im Randbereich des Steinernen Meeres. Auf der linken Seite der Watzmann.
Endlich führt der Weg wieder durch sattes Grün.
Unsere glückliche Truppe, als wir endlich den Funtensee (1.601m) erreicht haben.
Der Funtensee wird vom markanten Schottmalhorn (2.232m) überragt und ist der kälteste Ort Deutschlands, im Dezember 2001 wurden hier minus 45,9 Grad Celsius gemessen. Hier eine doppelte Baumgrenze erkennbar, im Talkessel ist die Vegetationsperiode zu kurz, als dass hier etwas anderes als Gräser wachsen könnte. Das Kärlingerhaus ist perfekt zum Einkehren geeignet und bietet diesen tollen Blickwinkel.
Hinter dem Kärlingerhaus geht der ab hier viel begangene Weg noch einmal leicht bergan, bevor der lange Abstieg beginnt.
Von hier sieht man die Watzmann-Mittelspitze und die Südspitze.
Die Saugasse ist der leichteste Weg hinauf ins Steinerne Meer. In 32 Serpentinen schraubt sich der Weg eine steile, enge Schlucht hinauf.

Das Tal unterhalb der Saugasse ist dicht besiedelt und erinnert an den Ramsauer Zauberwald.

Der Schranbach verläuft hier mal sanft, mal plätschernd neben dem Weg.
Die letzten zweihundert Meter vor Erreichen des Königssee sind wieder steil, aber breit und ungefährlich.
Der Blick zur Saletalm, am Talende ist sogar der Röthfall zu erkennen.
Einmal St. Bartholomä erreicht, kann ganz einfach der Eisbach durchschritten werden. In den wenigen Monaten der Schneeschmelze muss stattdessen eine Brücke genutzt werden, die etwas flussaufwärts liegt.
Bleibt noch genügend Zeit bis zum letzten Boot, lädt der Königssee zum Baden (oder wenigstens Füße waschen) ein. Temperaturen zwischen 14 und 16 Grad müssen dabei jedoch in Kauf genommen werden.
Blick auf den etwa 200 Meter hohen Königsbachfall während der Rückfahrt mit dem Boot. Die Naturpools ober- und unterhalb ziehen in den letzten Jahren tausende Touristen an, die in der Umgebung Müll hinterlassen und sich den Gefahren meistens nicht bewusst sind. Erst im Frühjahr diesen Jahres ertranken hier zwei junge Männer.

Die Tour unternahm ich vom 03.-04.09.2019 in der wunderbaren Begleitung von Laura und Nele. Die Idee für die Tour stammt von unserem guten Freund Stefan Mitterer, dessen Website viele der ausführlichsten Bergtourenberichte im Netz enthält.

Die Tour ist auf weiten Strecken angenehm einsam gewesen. Dennoch habe ich mich entschieden, die Route hier zu teilen, um allen InteressentInnen dieses einzigartige Naturerlebnis zu ermöglichen. Ich denke nicht, dass meine Reichweite etwas an der Auslastung ändern würde. Trotzdem: Bitte verhaltet Euch im Nationalpark den Regeln entsprechend und hinterlasst Berg und Biwak sauberer, als ihr sie vorgefunden habt.

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